Projektentwicklung Ideenfindung

Eine einschlagende Story-Idee

Nachdem ich mich von dem Ideen-Fragment verabschiedet habe, kam mir die zündende Story-Idee. Ein Blick darauf, wie es dazu kam und was mittelmäßige Action-Filme damit zu tun haben.


In einem der letzten Posts hatte ich die (Film-)Idee als Fixpunkt bezeichnet, als treibende Kraft hinter einer Story. Nun, in meinem Fall hatte sie genug Power, um mich mit Einfällen zu fluten, die ich mich so weit abgetrieben haben, sodass ich mir eingestehen musste, dass ich feststecke.

So hatte ich beschlossen, mich von dem Ideen-Fragment, welches mich schon so lange begleitet, und auf dem ich meinen Kurzfilm basieren lassen wollte, zu verabschieden.

Every act of creation is first an act of destruction. – Picasso

Picasso

Denn obwohl ich mich intensiv mit meinen Einfällen auseinandergesetzt habe, jedem möglichen Ansatz gefolgt bin, mich für die ein oder andere Idee kurzzeitig begeistern konnte, war nichts dabei, was mich so richtig gepackt hat.

Vielleicht war auch die Idee einfach nicht stark genug, um mich auf Kurs zu halten? Anstatt sie als Fixpunkt zu bezeichnen, sollte ich sie als meinen Fixstern sehen. Etwas, was eine solche Strahlkraft innehat, um mich immer wieder in die richtige Richtung zu lenken, sollte ich mich mal wieder in den weiten Meeren der Ideen und Einfälle verfahren haben.

Also Zeit für eine kleine Kurskorrektur. Mit viel Input und Ideen im Gepäck, reich an neuen Erfahrungen, geht es weiter Richtung Film-Idee.

Und wie das beim kreativen Prozess oftmals der Fall ist, hat man sich bewusst von etwas gelöst, ist mit dem Gehirn offline gegangen, dauert es nicht lange bis der Geistesblitz einschlägt und eine neue Idee ins Hirn brennt. So auch bei mir geschehen. Doch wie kam es dazu?


So wie viele andere auch, entspanne ich gerne beim Filmschauen. Wenn ich so richtig geistig erschöpft bin, verlangt etwas in mir nach leichter Kost. In solchen Momenten habe ich ein Faible für eine ganz bestimmte Art von Action-Filmen. Solche, die gut und spannend genug sind, dass man sich so richtig schön einlullen lassen kann, die wiederum aber eine gewisse Mittelmäßigkeit/Stumpfheit aufweisen, sodass man kurz abschweifen und denken kann.

Gibt nicht viele Filme die das mit Bravour meistern, und leider weiß man im Voraus nicht, ob der Film so wird wie man es sich erhofft, was darin resultiert, dass ich schon wirklich viel Schrott gesehen habe. Aber das ist eine andere Geschichte. 😏

Worauf ich eigentlich hinaus will ist, dass ich oft bei genau solchen Filmen zündende Ideen habe. Nun stellt sich natürlich die Frage, ob das tatsächlich an dem Film liegt, oder einfach an dem entspanntem Zustand, in dem ich mich befinde. Wahrscheinlich eine Kombination aus beidem. Denn wie ich in einem früheren Post schrieb: Freiraum und Pausen, in denen das Gehirn „in Ruhe“ weiterdenken kann, sind ein gutes Mittel, sollte man mit der Ideenfindung festsitzen.

Ich habe mich also berieseln lassen, und auf einmal war da diese Idee im Kopf, die immer deutlicher, immer klarer, immer aufregender wurde – meine Story-Idee.

Nothing is more powerful than an idea whose time has come.

Victor Hugo

Es war eigentlich eine Was-Wäre-Wenn-Frage (was auch sonst), die aufpoppte:

Was wäre, wenn eine Gruppe von Freunden ein letztes Wochenende zusammen verbringt, bevor die Welt untergeht?

Dazu muss erwähnt werden, dass ich einen Katastrophenfilm gesehen habe – nein, nicht Armageddon.

Du magst jetzt denken: Das hat aber so gar nichts mit Deiner ursprünglichen Idee zu tun. Auf eine gewisse Art und Weise tut sie aber.

Die Themen, die mich bisher beschäftigten, haben alle mit Gesellschaft- oder Konsumkritik zu tun, mit dem Verhalten von Menschen in Extremsituationen – gut, auch mit einer Alien-Invasion, aber das lassen wir jetzt erstmal weg (aber irgendwann mache ich einen Film mit Aliens) – und vor allem Erinnerungen. All das ist in der neuen Idee gegeben.

Zudem ist die Welt auch nicht so groß wie bei meinen vorherigen Überlegungen. Ich darf ja nicht vergessen, dass ich einen Kurzfilm machen will. Und eine Idee für einen Kurzfilm sollte im Optimalfall konzentriert sein und sich auf einen Hauptkonflikt, vielleicht auch nur ein einziges Ereignis konzentrieren, das von seinem Beginn bis zum Höhepunkt entwickelt wird.

Gute Idee für die Storys von Kurzfilmen enthalten mehr als nur den Keim für einen Konflikt: Sie enthalten eine Situation, in der der Konflikt bereits existiert.

Linda J. Cowgill

Ein großer, schon existierender Konflikt, ist das bevorstehende Ende der Welt. Ich dachte da an den Klassiker: ein Meteorit. Und nein, Deep Impact war es auch nicht.

Aber wie die Welt zu Ende geht, ist schlussendlich egal. Wichtig ist, dass die Charaktere sich dessen bewusst sind und so schon von vornherein mit etwas im Konflikt liegen.

Auf die Idee kam ich – es war auch nicht San Andreas, den ich gesehen habe – bei dem Gedanken, ob man denn wirklich so eine Naturkatastrophe überleben will? Klar, im Film müssen die Helden die Katastrophe überstehen, weil Happy End und so, aber mal ehrlich, will man das?

Diese Filme – Day After Tomorrow war es auch nicht – enden alle mit Einstellungen, wo die Helden in den Trümmern der menschlichen Existenz stehen. Glückwunsch dazu, aber das alles wieder aufbauen und von null anfangen? I don’t think so.

So kam mir der Gedanke, wie es denn wäre, wenn man sich dem ganzen Chaos und Trubel, der im Vorfeld durch so einen bevorstehenden Meteoriteneinschlag entstehen würde, komplett entzieht, und mit den Menschen die letzten Tage verbringt, die man sonst auch am liebsten um sich hat: seine Freunde.

Na gut, wahrscheinlich auch seine Familie, aber filmisch gedacht eigenen sich Freunde besser, finde ich. Man hat die unterschiedlichsten Charaktere mit verschiedenen Background-Storys, die alle auf ihre ganz eigene Art mit der Situation umgehen. Jetzt, da alles egal ist, kommen Charakterzüge und Eigenheiten zum Vorschein, die man untereinander so noch nicht kannte und die dadurch zu skurrilen Situationen führen können.

Denn ebenfalls bewusst wurde mir, dass meine bisherigen Film-Ideen alle ziemlich düster waren. Und ein bisschen Humor und Ironie kann nicht schaden, auch wenn am Ende die Welt untergeht – 2012 war es ebenfalls nicht.


Um die Idee etwas zu konkretisieren, gehe ich jetzt mal die 4 W-Fragen durch. Als Erstes die Was-Wäre-Wenn-Frage: Was wäre, wenn eine Gruppe von Freunden ein letztes Wochenende zusammen verbringt, bevor die Welt untergeht?

Es folgt das Wer? Auch bei einem „Ensemble-Stück“ braucht es eine Hauptfigur. Und hier wird es etwas „meta“, bzw. schwappt meine alte Idee mit rein. Mir kam der Gedanke, dass der Hauptcharakter ein/e AutorIn ist, die/der noch eine letzte Story-Idee knacken will, bevor die Welt untergeht. Und diese Idee, an der sie/er knabbert ist – surprise, surprise – das Ideen-Fragment, an dem ich mich abgemüht habe. Natürlich ist der Konflikt nicht, das auf die Idee kommen, sondern eher, seine Arbeit als Vorwand zu benutzen, um sich von der Realität abzulenken. Nicht akzeptieren zu wollen, dass alles zu Ende geht.

Das Wo?, wäre ein schöner, abgelegener Ort, ein Haus an einem See zum Beispiel; abseits von allem. Die Abgeschiedenheit ist auch deshalb wichtig, weil der Zuschauer erst am Ende des Films erfahren soll, dass die Welt untergeht. Das ganze Chaos, die durchdrehenden Menschen, Gier und Egoismus – das also, was in meinen bisherigen Ideen vorrangig war, lasse ich nicht weg, behandle es aber eher am Rande. Der Zuschauer soll die ganze Zeit das Gefühl haben, dass etwas nicht stimmt an dem Setting. Und dann am Ende dann den Grund präsentiert bekommen. Wird nicht leicht werden, das zu schreiben, aber ist doch mal eine schöne Herausforderung.

Nun das Warum? Die Frage, die mich beim letzten Mal so grandios vom Kurs abgebracht hat. Aber anders betrachtet, mich vielleicht auch zu dieser Idee hingeführt hat?

Also warum das Ganze? Um zu zeigen, dass am Ende das was zählt, die Menschen sind, mit denen man sich am liebsten umgibt, mit denen man Erinnerungen teilt, die einen so akzeptieren, wie man ist; seine Freunde (Familie) halt – simple as that.

Soweit das Setting, die grobe Story-Idee. Ich bin mal gespannt, wie sich das noch entwickelt und ändert, sobald man anfängt, die Charakteren auszuarbeiten und mit ihren Konflikten rumspielt. Aber bis hierhin bin ich ganz zufrieden so weit.

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Ach so, der Film, den ich geschaut hatte, war …

… und war sogar sehr unterhaltsam.

Gelerntes aus diesem Post:

Je entspannter man selbst, desto aktiver die Ideenfindung.